Ein Leben gegen Rassismus und Antisemitismus Besuch der jüdischen Schriftstellerin und                                                                     Journalistin Ruth Weiss

Es waren eindrucksvolle Begegnungen: zunächst im Gymnasium Petrinum und dann einen Tag später in der Antoniuskirche: Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Kreise in Kooperation mit der  Volkshochschule Recklinghausen und des Katholischen Bildungswerkes war die deutschstämmige jüdische Journalistin und Schriftstellerin Ruth Weiss zu zwei Lesungen zu Gast in Recklinghausen. 

Schon mit ihrer ersten Frage nach der prozentualen Anzahl der Juden in Deutschland an der Gesamtbevölkerung  – es waren nur knapp 0,77 % - gelang es ihr, die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 c aufmerksam zu machen. „Ist es möglich, dass so wenige Juden die Herrschaft über         Deutschland erreichen können?“ 

Gymnasium Petrinum : Gesa Sebbel, Ruth Weiss, Simon Köcher

Wie schon in der Schule erzählte Ruth Weiss auch in der Antoniuskirche mit ruhiger, klarer Stimme  zunächst aus ihrem Leben als jüdisches Mädchen in ihrer Geburtsstadt Fürth bei Nürnberg. Dort wurde die damals 8-jährige von einer akzeptierten Mitschülerin von heute auf morgen zu einem verhassten MädchenEs folgte die Erzählung von ihren Erfahrungen im von der Apartheid gekennzeichneten Südafrika, wohin sie 1936 mit ihrer Familie wegen der Verfolgung in Deutschland geflüchtet war. Im Gespräch mit dem Verleger, ihrem Freund Lutz Kliche, der sie einfühlsam begleitete, gelang es Ruth Weiss, ihre Erfahrungen in Nazideutschland und in dem von der Apartheid gekennzeichneten Südafrika zu skizzieren.

Für sie war schnell klar, dass sie durch die Flucht mit einem der letzten Schiffe von Europa nach Südafrika vom Regen in die Traufe gekommen war. Während der Überfahrt wurde 1936 in Südafrika ein Gesetz erlassen, das die Einreise von Juden verbot. „Wir hatten die richtige Hautfarbe, aber die falsche Religion!“

 

In Südafrika ist sie nie ganz glücklich geworden; es folgten Jahre in Rhodesien, Köln, London, der Isle of Wight und schließlich Lüdinghausen. “Man bleibt ein Leben lang im Exil, im Exil des ewigen Außenseiters“.

 

Einen ganz besonderen Gänsehaut-Moment gab es in der Antoniuskirche: Zum Ende der Veranstaltung sang die aus Südafrika stammende Bonita Niessen das Lied „Pata Pata“ von Miriam Makeba, eine Hommage der Sängerin an die beiden Frauen unterschiedlicher Herkunft, Farbe und Religion, die sich ihr Leben lang für Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen eingesetzt haben.

 

 

Die Frage, wo sie zu Hause sei, beantwortet sie mit „Meine Heimat ist dort, wo ich mich verstanden und angenommen fühle!“ Das ist jetzt bei ihrem Sohn im Norden von Jütland in Dänemark.

Dieses Zitat von Ruth Weiss ist auch die Inschrift auf einer Gedenktafel, die eine Rose kennzeichnet, die Ruth Weiss als Gastgeschenk in der Antoniuskirche erhielt. Die Rose wurde im „Hain der Menschenrechte“  in der Maybacher Heide im Beisein von Frau Weiss, Bürgermeister Tesche und Mitgliedern von Amnesty International der Gruppe Recklinghausen, der Lokalen Agenda für Stadtentwicklung und der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Kreise, ebenfalls aus Recklinghausen, eingepflanzt. Zur großen Freude von Ruth Weiss wurde die kleine Feier  musikalisch von Bonita Niessen begleitet 

Gruppenfoto von links nach rechts: Georg Möllers, AG Eine Welt; Bürgermeister Christoph Tesche; Josefine Kleybold, Freundeskreis Lüdinghausen;  Günther Eschrich, lokale Agenda; Ruth Weiss; Maria Voß, AG Eine Welt; Sängerin Bonita Niessen; MdB Frank Schwabe